13. April 2023

Navigieren in stürmischen Zeiten

Der Kursverlauf am Aktienmarkt ist besser als die Stimmung

Gerne hätten wir Ihnen zum Ende des I. Quartals darüber berichtet, dass sich unter den vielfältigen Belastungsfaktoren erste Entspannungssignale andeuten. Leider hat sich diese Hoffnung bis dato noch nicht erfüllt. Wir bewegen uns nach wie vor in einem Umfeld, welches überwiegend von negativen Schlagzeilen dominiert wird.• Die Inflation (trotz Rückgang der Energiepreise) verharrt auf relativ hohem Niveau (+7,4%).
• Die Notenbanken halten vorerst an der Straffung der Geldpolitik fest.
• Die Kreditvergabe der Banken ist eingeschränkt (Kreditvergabestandards ziehen an).
• Die Immobilienmärkte schwächeln (Preise im IV. Quartal um 5,0% zum Vorjahr gesunken).
• Die geopolitischen Spannungen zwischen West und Ost verhärten sich.


Mit der Schieflage von mehreren US-Banken sowie der Credit Suisse ist jüngst ein weiteres Ereignis aufgetaucht, welches Erinnerungen an die Finanzkrise 2008 weckt. Die Befürchtung, dass dem Bankensystem ein neuer Flächenbrand drohen könnte, sorgt auch unter hiesigen Sparern für Nervosität. Wie sicher sind heimische (Depot-)Banken, besteht eine Ansteckungs-gefahr, welche Schutzmechanismen gibt es? Fragen, auf die wir weiter unten eingehen werden.
Das pessimistische Stimmungsbild für die Wirtschaft lässt auf den ersten Blick eine negative Kursentwicklung im I. Quartal vermuten. Das Gegenteil war der Fall. Allen Widrigkeiten zum Trotz konnte der DAX seit Beginn des Jahres um 12,2% zulegen. Eine Entwicklung, die auf mehrere Gründe zurückzuführen sein dürfte:


• Anleger, die pessimistisch für den weiteren Kursverlauf sind, dürften sich bereits von ihren Aktien getrennt haben, um sich ihrer eigenen Prophezeiung zu entziehen. Dreht der Markt entgegen der eigenen Erwartung, erliegt man schnell dem Leidensdruck nicht dabei zu sein. Das kann die Kurse weitertreiben, sorgt zugleich aber auch für erhöhte Schwankungen.
• Auch wenn die Notenbanken jüngst die Zinsen weiter angehoben haben (USA: 5%, EU: 3,5%), gehen viele Marktteilnehmer davon aus, dass der Zinsgipfel bald erreicht sein wird. Sichtbar wird dies am US-Anleihenmarkt, wo die Rendite von 2-jährigen Anleihen zuletzt wieder rückläufig war. Da die Anziehungskraft des Aktienmarktes in konträrem Verhältnis zu den Zinsen steht, nimmt die relative Attraktivität von Aktien sukzessive wieder zu.
• Wir leben in einer überschuldeten Welt. Die jahrelangen Eingriffe der Notenbanken in das Finanzsystem haben Kapitalmärkte und Wirtschaft ohne Zweifel gestützt. Da eine gewünschte Wirkung aber selten ohne Nebenwirkungen zu erzielen ist, werden auch weniger schöne Begleiterscheinungen mit der Zeit sichtbar. Schwachstellen, die durch die Aussetzung korrektiver Marktmechanismen unterdrückt wurden, werden in einem Umfeld steigen-der Zinsen aufgedeckt; die Geldentwertung wurde angetrieben. Darunter hat das Vertrauen in unser Geldsystem in den letzten Jahren gelitten. Kapitalinvestoren (auch wir) suchen deswegen bevorzugt Anlagen mit hohem Sachwertbezug und sind dafür auch bereit, höhere Schwankungen in Kauf zu nehmen. Dafür eignen sich qualitativ hochwertige Aktien nach wie vor am Besten.

 

Ein Hauch von Finanzkrise 2.0…

Bis vor wenigen Wochen schien die Bankenwelt noch in Ordnung. Mit der Pleite der Silicon Valley Bank (die Nr. 16 der US-Rangliste nach Größe), einigen kleineren US-Banken sowie der rettenden Übernahme der Credit Suisse durch die UBS hat sich das schlagartig geändert. Der Hintergrund dafür ist schnell erklärt. Kurzfristige Kundeneinlagen haben die US-Banken dazu genutzt, um diese ihrerseits in langlaufende Staatsanleihen zu investieren. Nach dem rasanten Anstieg der Zinsen sind deren Kurse zurückgegangen. Für sich allein betrachtet noch kein Fiasko, hätten die Kunden (in erster Linie Start-Up Firmen) in einem sich verschlechternden wirtschaftlichen Umfeld nicht auf ihre Einlagen zurückgreifen müssen. Verunsicherte Kunden haben in großem Stil Gelder abgezogen (an einem Tag bis zu 42 Mrd. US-Dollar). Nicht viel anders erging es der Credit Suisse, wenngleich die Ursachen hier etwas anders geartet sind. Durch jahrelanges Missmanagement und verlustreiche Risikogeschäfte hat die Bank bereits im Vorfeld viel “Kredit“ verspielt. Die Wochenendübernahme durch die UBS war die schnelle Konsequenz.
… aber die Banken sind dieses Mal besser gewappnet!


In beiden Ländern wurden seitens der Regierungen und nationalen Notenbanken sehr zügig Maßnahmen ergriffen, um die Banken vor der Pleite zu bewahren. In den USA durch Absicherung der Kundeneinlagen. In der Schweiz, indem die USB die Credit Suisse in einer Wochenendaktion übernommen hat und weitere Kredite sowie Garantien eingeräumt wurden.
In der Folge konnten sich die Finanzmärkte wieder beruhigen. Die Nervosität unter den Sparern und Anlegern bleibt gleichwohl spürbar. Beschwichtigungen seitens der Regierungen haben daran nichts grundlegend geändert, es gilt hier eher die Vermutung: “Wenn sich die Regierung schon genötigt fühlt uns mitzuteilen, dass wir uns keine großen Sorgen machen müssen, ist vielleicht doch mehr dran“.


Ob weitere Banken in Bedrängnis kommen, lässt sich ohne tiefere Einblicke in Kapital-, Liquiditäts- und Verflechtungsstruktur einer Bank nicht seriös beantworten. Zwar wurden seit der letzten Finanzkrise strengere Regulierungsvorschriften erlassen und die Anforderungen an die Kapitalausstattung erhöht. In letzter Instanz basiert die Funktionsfähigkeit unseres Finanzsystems aber auf dem Vertrauen von uns Sparern. Vertrauen, welches nicht von oben angeordnet oder herbeigeredet werden kann. Mit unseren Depotbanken sehen wir uns gleichwohl aus einer Reihe von Gründen sehr gut aufgestellt. Diese gehören entweder zu den systemrelevanten Banken mit besonderer Schutzwürdigkeit durch den Staat oder diese konzentrieren sich auf das Verwahren von Wertpapieren was die Risiken sehr begrenzt. Zudem gibt es im deutschen Bankensystem weitere Sicherungsmechanismen:
• Bareinlagen sind bis 100.000 Euro durch die gesetzliche Einlagensicherung abgesichert. Höhere Beträge sind in Geldmarktfonds besser aufgehoben.
• Durch die freiwillige Mitgliedschaft im deutschen Einlagensicherungsfonds sind Einlagen in Millionenhöhe abgesichert. Anzumerken ist allerdings, dass im Falle der Pleite mehrerer Banken der Fonds wie auch der Staat schnell an seine Grenzen kommen wird.
• Wertpapiere (Aktien, Anleihen, Fonds) gehören – soweit es sich nicht um die Aktie oder eine Anleihe der betroffenen Bank handelt – zum Sondervermögen. Auf dieses haben die Kunden einen Herausgabeanspruch. Sie werden nicht Bestandteil der Insolvenzmasse.

 

Notenbanken zwischen Baum und Borke

Viele Staaten haben zur Stabilisierung ihrer Wirtschaft und der öffentlichen Haushalte in den letzten Jahren große Summen an Staatsanleihen ausgegeben. Auch die Banken waren dankbare Abnehmer. Insoweit wird es die Notenbanken nicht wirklich überraschen, dass der steile Zinsanstieg nicht nur – wie gewünscht – die wirtschaftlichen Aktivitäten drosselt, sondern auch die Gefahr von Verwerfungen in sich birgt. Mit der Rettung der in Schieflage geratenen Banken haben die Notenbanken klar zu erkennen gegeben, dass sie einen zweiten Fall Lehmann in jedem Fall vermeiden wollen. Von daher sind wir der Überzeugung, dass die Notenbanken mit “frischem“ Geld einspringen werden, sollten weitere Institute in Bedrängnis geraten. Zugleich bringt es die Notenbanken zunehmend in Bedrängnis.


Man kann nicht alles haben? Jede Entscheidung hat ihren Preis.
Die Hoffnung, mit der Anhebung der Zinsen die Inflation in den gewünschten Bereich zurückzuführen hat sich für Notenbanken bisher nicht erfüllt. Zwar zeigt der Konsumentenpreisindex sowohl in den USA als auch in Europa einen leichten Rückgang an, mit 5,5% (5,7%) war die Kerninflation (ohne Energie und Nahrungsmittel) im März aber noch deutlich zu hoch. Auch drücken strukturelle Kräfte mittelfristig auf die Preisentwicklung.
• Staatlichen Konjunkturprogrammen (Klimainvestitionen & Normalisierung in China) auf der Nachfrageseite stehen Angebotsbeschränkungen im Material- und Energiebereich gegenüber. Die Zinserhöhungen der Notenbanken richten sich auf die Nachfrageseite, tragen allerdings nicht dazu bei, die Angebotsseite zu stärken. Dies zeigt sich vor allem im Rohstoff-und Infrastruktursektor, in dem erforderliche Investitionen in den letzten Jahren weitgehend unterblieben sind. Da die ökologische Agenda der Politik mit Hochdruck angegangen wird, trifft eine zunehmend unelastische Nachfrage auf ein begrenztes Angebot.
• In einem vom demografisch bedingten Fachkräftemangel gekennzeichneten Umfeld steigt die Lohnsetzungsmacht der Arbeitnehmer. Die Engpässe in viele Berufsfeldern sowie die laufenden Lohnverhandlungen sind ein sichtbarer Beleg dafür.
• Der Krieg in der Ukraine und die zunehmenden Differenzen zwischen den politischen Systemen haben dazu geführt, dass die Handelsbeziehungen für systemkritische Sektoren auf den Prüfstand gestellt werden. Was unter dem Begriff Deglobalisierung einzuordnen ist, dürfte sowohl die Binnenwirtschaft als auch die Preise beflügeln.

Fazit:
Die lange Niedrigzinsphase fordert ihren Tribut. Eigentlich müssten die Notenbanken die Zinsen weiter erhöhen, um die Inflation nachhaltig in den Griff zu bekommen. Da sie damit Gefahr laufen, weitere Krisenherde in der Finanz- und Realwirtschaft auszulösen, sehen wir kaum wei-teren Spielraum für Zinserhöhungen. Stehen die Notenbanken vor der Wahl, werden diese aus unserer Sicht eher eine höhere Inflation akzeptieren, als mit neuem Geld Krisenlöcher zu stop-fen, deren potenzielle Tiefe sie nicht kennen. Eine gewisse generelle Vorsicht, die Streuung über Kontinente bzw. Anlageklassen und der Fokus auf den Substanzwert einer Anlage sind im aktuellen Umfeld zentral wichtig für den Vermögenserhalt wie auch den Vermögensauf-bau.

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