20. Februar 2025

Das, was bleibt, ist meist wichtiger als das, was kommt!

Das Wacken-Festival der Fondsindustrie. So könnte man den Fondskongress in Mannheim – die bekannteste Messe der Deutschen Finanzberatungsbranche – liebevoll nennen. In zwei Tagen suchen tausende deutsche Finanzberater und Banker nach Orientierung, wie sie das Vermögen ihrer Kunden in den kommenden Jahren gewinnbringend und zukunftsfähig allokieren können.

Es versteht sich von selbst, dass dazu zahlreiche Investmentgesellschaften die Muskeln spielen lassen. Die Firmen buhlen mit Volkswirten, Star-Fondsmanagern, Fachvorträgen und Produktinnovationen um die Gunst der Intermediäre. Schließlich werden die meisten Finanzprodukte weiterhin über Berater, Banken und Vertriebsgesellschaften von Privatanlegern gekauft. Soweit eine Messe wie jede andere auch.

Auch wir waren im Januar wieder mit von der Partie. Die beiden Tage sind für Wissensaustausch, den Aufbau von Geschäftsbeziehungen und zur allgemeinen Marktorientierung von hohem Wert für uns. Hinsichtlich neuer Anlagelösungen kommen wir allerdings häufig mit mehr Fragen nach Hause als wir vor der Anreise hatten. Ganz besonders einprägsam war heuer ein Abendessen bei einer bekannten Fondsgesellschaft. An dem Tischgespräch dort möchten wir Sie gerne teilhaben lassen.

Was machen Sie genau bei der Fondsgesellschaft?

„Ich bin Produktmanagerin!“ entgegnete die junge Dame des namhaften Investmenthauses, mit einem sympathischen Enthusiasmus. Auf die Bitte, dies zu konkretisieren, führte sie aus: „Ich sorge dafür, dass die richtigen Fonds zur richtigen Zeit an den Kunden kommen. Dafür analysiere ich Trends und Bedürfnisse unserer Vertriebe zur Entwicklung neuer Fondsprodukte. Wenn wir eine marktfähige Idee haben, suchen wir dafür den richtigen Fondsmanager bei uns im Haus oder von extern.“

Etwas ungläubig erkundigen wir uns, ob es nicht andersherum laufen müsste? Also dass man erst einen guten Fondsmanager mit einem funktionierenden Investmentansatz sucht, der diesen dann als Finanzprodukt für Anleger zugänglich macht? Weit gefehlt und der Fondskongress in Mannheim zeigt es jedes Jahr aufs Neue. Trends am Fondsmarkt sind immer von Nachfrage getrieben – das, was gerade läuft, wird gekauft.  Doch die Vergangenheit hat gezeigt, dass nicht alle Fonds langfristig im Interesse der Kunden gestaltet wurden und dass Neuauflagen meistens zu einem schlechten Zeitpunkt erfolgen.

Viele starten, kaum einer überlebt.

Und so werden auch 2025 wieder zahlreiche neue Fonds und ETFs aufgelegt, viele davon thematisch getrieben: Krypto-Gewinner-Fonds, USA-Fonds, ex-USA-Fonds, Laufzeitfonds, aktive ETFs und dergleichen. In Zeiten von militärischen Konflikten und internationaler Aufrüstung kommen erstmals auch Rüstungsfonds in Mode. Interessanterweise waren doch nachhaltige ESG-Fonds, welche Investments in Waffen kategorisch ausschließen, das Trendthema am Kongress vor drei Jahren. Meist werden Produkte in denjenigen Marktsegmenten aufgelegt, die in jüngerer Vergangenheit eine außergewöhnlich hohe Nachfrage oder außergewöhnlich gute Performance erwirtschaftet haben.

Und genau hierin liegt das Problem. Denn häufig bleibt bei den neu aufgelegten Fonds dann künftig beides aus: Die Rendite und folglich auch die Investorennachfrage. Die betroffenen Produkte werden meist liquidiert oder fusioniert, weil Sie für die Anbieter nicht mehr wirtschaftlich sind. Einer Studie des Finanzanalyse-Hauses Morningstar zufolge überleben nur knapp 46 Prozent der Fonds einen Zeitraum von 10 Jahren! Mehr als jeder zweite Fonds bleibt unterwegs also auf der Strecke. Privatanlegern, die oftmals mit einem Anlagehorizont von mehr als 20 Jahren für den Ruhestand vorsorgen, sollte das zu denken geben.

Ein großer Nachteil davon ist, dass die hohe Sterberate der Fonds zudem die durchschnittlichen Renditen der überlebenden Fonds verfälscht. Denn nur die erfolgreichen Fonds bleiben in der Performance-Betrachtung rückblickend sichtbar, während schlecht laufende oder geschlossene Fonds aus den Daten verschwinden. Diese als Survivorship Bias (zu Deutsch Überlebendenverzerrung) bekannte Verzerrung führt laut einer Studie von Elton, Gruber und Blake (1996) dazu, dass die durchschnittliche Fondsperformance rückblickend um bis zu 0,9 Prozent überschätzt wird.

Die Fondsanbieter tragen eine Mitverantwortung.

Die Vergangenheit zeigt, dass nicht alle Fonds mit der notwendigen Weitsicht entwickelt wurden. Oftmals stehen kurzfristige Trends und Marketingstrategien im Vordergrund, während eine nachhaltige, wissenschaftlich fundierte Investmentstrategie vernachlässigt wird. Doch woran liegt das?

Neben der Tatsache, dass viele Strategien häufig eher an kurzfristigen Markttrends als an langfristiger Tragfähigkeit ausgerichtet sind, um schnell Kapital anzuziehen, gesellt sich das Problem der mangelnden Kundennähe vieler Fondsgesellschaften. Oft entsteht der Eindruck, dass Produkte primär für institutionelle Investoren oder zur Erfüllung interner Absatzvorgaben entwickelt werden. Die Bedürfnisse der Privatanleger rücken dabei in den Hintergrund, was langfristig das Vertrauen in die Branche schädigt.

Hinzu kommt der erhebliche Vertriebsdruck, dem gerade aktive Fondsanbieter ausgesetzt sind. Um Marktanteile zu sichern oder auszubauen, werden regelmäßig neue Fonds aufgelegt – oft mit unklarer oder fragwürdiger Langfristperspektive. Dieser Druck kann dazu führen, dass Fonds entstehen, die weniger durch eine solide Investmentstrategie als durch die Notwendigkeit neuer Verkaufsargumente geprägt sind.

Die Spreu und der Weizen.

Wir als Vermögensverwalter und Anlageberater bemühen uns stets um einen reflektierten, kritischen und realistischen Blick auf Produktneuheiten. Trends kommen und gehen, doch solide Anlagestrategien bestehen. Die hohe Anzahl an Fondsliquidationen zeigt, dass kurzfristige Hypes oft keine nachhaltige Lösung für langfristige Anleger sind. Unsere Aufgabe als Berater ist es, nicht dem Lärm des Marktes zu folgen, sondern bewährte Prinzipien anzuwenden und das Beste für unsere Kunden herauszufiltern.

Wenn wir also in Mannheim durch die Stände streifen, fragen wir uns, ob die Strategie das Zeug dazu hat in der Anlageallokation unserer Kunden zu bestehen, wenn sie mindestens zehn Jahre dort eingesetzt bleibt und unsere hohen langfristigen Anforderungen erfüllt. Das, was bleibt, ist meist wichtiger als das, was kommt!

 

Quellen: Morningstar, Nachhaltigkeitsfonds leben (und performen) nachhaltiger, Ali Masarwah, 30.06.2020, abgerufen am 18.02.2025; The Persistence of Risk-Adjusted Mutual Fund Performance, Edwin J. Elton, Martin J. Gruber and Christopher R. Blake, The Journal of Business, Vol. 69, No. 2 (Apr., 1996), pp. 133-157

 

Wichtige Hinweise 

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