14. November 2025

Kryptowährungen in der Asset-Allokation von Privatanlegern?

Es gibt – abgesehen von der Debatte aktives vs. passives Investieren – wohl kaum ein Thema, das in der Investmentwelt so stark polarisiert wie die Frage, ob Kryptowährungen ein sinnvolles Investment in einem Privatanlegerdepot sind. Für die einen ist es das „digitale Gold“, für andere ein reines Spekulationsobjekt ohne Substanz.

Die wohl bekannteste Kryptowährung, der Bitcoin, hat in den letzten 5 Jahren seinen Wert ungefähr versechsfacht. Und wie immer nach solchen Rallys einzelner Themen (z. B. Waffen, Nachhaltigkeit), vergeht kaum ein Tag, an dem wir als Vermögensverwalter nicht mit wichtigen Fragen rund um diese Sub-Anlageklassen konfrontiert werden.

Zum einen, weil das Interesse unserer Gesprächspartner diesbezüglich seit schon längerer Zeit anhaltend hoch ist. Immer häufiger sehen wir auch Interessenten, gerade mit Technologiehintergrund, die bereits eine größere und komplexe Allokation im Bereich digitale Assets aufgebaut haben. Doch auch viele bestehende Mandanten erkundigen sich nach unserer Meinung. Entweder aufgrund einer immer kryptofreundlicheren US-Regierung, der Einführung der ersten Bitcoin-ETFs in den USA oder weil ihr Nachbar sich „allein von seinen Krypto-Investments einen Porsche Carrera gekauft hat“.

Zum anderen zieht ein solcher Hype natürlich auch auf der Angebotsseite immer mehr „Goldgräber“ an, die vom Hype profitieren wollen. Von Kryptobörsen in Liechtenstein, Zertifikate auf Tradingstrategien, Krypto-Hedgefonds, DeFi-Direktinvestments oder verschiedene Token- bzw. NFT-Investments. Jede Woche landen neue exotische Ideen auf unserem Schreibtisch.

Offen gestanden, wir sind weit entfernt davon Experten im Bereich Digitale Assets zu sein. Eine Stellungnahme klar für oder gegen diese Anlageklasse trauen wir uns nicht zu. Dennoch wollen wir uns aus einer erfahrenen, pragmatischen und rationalen Sicht der Frage nähern, welche Rolle Kryptowährungen in einem diversifizierten Portfolio für den Privatanleger spielen können und wie man sich einer Anlage sinnvoll nähern kann.

Kryptowährungen bleiben eine junge und riskante Anlageklasse

In unseren Augen sind Investments in Kryptowährungen eine hochriskante Anlage, wie das Zahlenwerk der wichtigsten Währung Bitcoin eindrucksvoll beweist. Einer Studie von Blackrock zufolge hat Bitcoin eine 3,6 mal so hohe Volatilität wie Gold beziehungsweise über 5,1 mal die Schwankung globaler Aktien. Das Risiko eines substanziellen Verlusts des eingesetzten Kapitals ist hoch! In den Jahren 2014, 2017 und 2021 belief sich der Maximum Drawdown jeweils auf über 75 %! Die Ausschläge nach unten fallen jüngst aber etwas moderater aus.

In unseren Augen steht dem Bitcoin die Gattungsbezeichnung „Währung“ in keinem Fall zu. Die extreme Volatilität des Kurses macht ihn ungeeignet, um Vermögen stabil aufzubewahren. Eine Währung dient dazu, einen Wert zu bestimmen und als Recheneinheit oder Tauschmittel zu fungieren. Das kann der Bitcoin nicht leisten. Trotz vieler Versuche hat sich Bitcoin in der Realwirtschaft bisher nicht etabliert.

Ein weiterer Nachteil ist, dass Bitcoin als Wertspeicher nicht real gedeckt ist, während der Euro und andere Fiat-Währungen durch die Wirtschaftsleistung der Staaten sowie deren Steuerhoheit gestützt sind. Beispiel: Deutschland hat über 2,5 Billionen Euro Schulden, aber etwa 21 Billionen Euro Privatvermögen als Gegenwert. Der Euro ist neben der Notenbank also auch durch den Staat selbst abgesichert.  

Wenn keine Währung, dann eben ein anderer Wertspeicher? Oft wird der Bitcoin mit Gold verglichen. Beide sind ertragslose Anlagen, deren Vorkommen irgendwann erschöpft ist – denn die verfügbaren Bitcoins sind auf 21 Millionen begrenzt. Beide leben vom Vertrauen und der Anerkennung seiner Investoren. Der Preis bestimmt also sich rein aus Angebot und Nachfrage – nicht aus einem Zahlungsversprechen wie Zinsen oder Dividenden. Erst mal keine guten Voraussetzungen für ein Investment.

Ist der Bitcoin das neue Gold? In unseren Augen lautet die Antwort klar „Nein“. Denn Gold ist als Wertspeicher seit Jahrtausenden etabliert – eine Unze erhält seine Kaufkraft über Generationen. Der Trackrecord von Bitcoin hingegen reicht nur bis ins Jahr 2009. Physisches Gold ist zudem nicht von Internet, Strom als auch Hard- und Software abhängig und dadurch sicherer und unabhängiger aufzubewahren. In unseren Augen ist Bitcoin damit kein Safe-Haven-Investment.

Zuletzt noch zwei Denkanstöße in Richtung Nachhaltigkeit. Bitcoin ist in unseren Augen weder aus ethischen noch aus ökologischen Gesichtspunkten ein geeignetes Investment. Der jährliche Stromverbrauch der Bitcoin-Blockchain wird aktuell auf etwa 150-175 Terawattstunden geschätzt. Das ist in etwa der Stromverbrauch von Norwegen. Zweitens: Durch die Pseudoanonymität wird Bitcoin für Geldwäsche, Steuerhinterziehung oder kriminelle Zahlungen genutzt. Zwar ist dieser Anteil rückläufig, aber ethisch bleibt der Makel bestehen.

Ein Nachteil von Bitcoin ist gleichzeitig sein größter Vorteil

Nun, wir hatten das mangelnde realwirtschaftliche Fundament von Bitcoin oben als Schwäche abgetan – doch wohl ist genau diese Unabhängigkeit von staatlichen Akteuren und zentralisierter Macht sein großer Vorteil. Schön, dass Währung und Staatsschulden durch die Wirtschaftskraft und die Vermögen eines Landes gedeckt sind. Doch wer will sich schon vom Staat zur Deckung seiner Zahlungsverpflichtungen besteuern lassen?

Genau diese Sorge vor Inflationierung und Sanktionierung hat Investoren in letzter Zeit in Anlageklassen Krypto getrieben, die keiner zentralisierten Kontrolle unterliegen. Anleger können ihr Vermögen selbst verwahren und transferieren – ohne Intermediäre, ohne Kapitalverkehrsbeschränkungen. Die feste Obergrenze von 21 Millionen Coins schützt zudem vor willkürlicher Geldmengenausweitung und damit vor politischer Einflussnahme auf den Geldwert.

Diese Dezentralität schafft ein Stück digitale Souveränität. In Regionen mit instabilen Währungen oder eingeschränktem Zugang zum Bankensystem bietet Bitcoin potenziell Schutz und Zugang zum globalen Kapitalverkehr. Für Investoren kann er damit eine Diversifikation gegen systemische Risiken darstellen – ein alternatives, global handelbares Asset außerhalb des klassischen Finanzsystems.

Dass Bitcoin auch im Auge des Gesetzes keine Währung ist, hat einen zentralen Vorteil. Während Währungsgewinne seit 2025 versteuert werden müssen, sind Kursgewinne aus Kryptogeschäften nach einer Haltefrist von 12 Monaten steuerfrei. Noch!

Der Nutzen von Bitcoin als Diversifikator ist begrenzt

Bitcoin wird häufig als möglicher Diversifikator im Portfolio diskutiert. Seit 2018 weist die Kryptowährung im Durchschnitt eine niedrige Korrelation zu US-Aktien auf. Anlagen, die gering korrelieren, gleichen Schwankungen gegenseitig aus und reduzieren das Gesamtrisiko. Gleichzeitig verbessert eine niedrige Korrelation langfristig die Rendite-Risiko-Relation, weil Verlustphasen einzelner Positionen weniger stark auf das Gesamtportfolio durchschlagen.

3-Jahres-Korrelation von Aktien und Anleihen zu Bitcoin

Quelle: Bloomberg, FactSet, J.P. Morgan Asset Management. 

Die Korrelation von Bitcoin zu Aktien und Anleihen wird jedoch immer höher in den letzten Jahren. Gerade in Stressphasen zeigt sich die Kehrseite. In den wichtigsten Aktienmarktkorrekturen der vergangenen Jahre lieferte Bitcoin überwiegend negative Ergebnisse. Positiv war die Entwicklung nur in wenigen Fällen. Meist fielen die Verluste sogar deutlicher aus als bei globalen Aktien.

Die Daten legen nahe, dass Bitcoins Nutzen als Diversifikator begrenzt ist. In turbulenten Phasen verhält sich die Kryptowährung oft wie ein Risikotreiber, nicht wie ein Stabilisator. Eine hohe Gewichtung würde das Portfoliorisiko damit eher verstärken. Auch die Tiefe einzelner Drawdowns spricht für Vorsicht.

Hinzu kommt die extrem hohe Volatilität der Anlageklasse. Rückgänge von über 75 % sind Teil ihrer Historie und sollten Anlegern bewusst sein. Bitcoin bleibt ein spekulatives Investment, dessen Allokation klar begrenzt gehört. Investiert werden sollte nur Kapital, dessen Totalverlust wirtschaftlich verkraftbar ist. Wir empfehlen Krypto-Investments auf maximal 3 % in einem Gesamtportfolio zu begrenzen – zudem sollte die Position immer der risikobehafteten Seite des Portfolios, zum Beispiel zu Aktien, hinzugezählt werden.

Wie sollte man in Kryptowährungen investieren?

Der beste Weg, die Vorteile einer Anlageklasse zu nutzen, ist sie so direkt zu besitzen wie möglich. Ähnlich wie ein Zollfreilager beim Gold kann man auch Bitcoin über bestimmte Börsen (z. B. Coinbase, Bitpanda, Bison) physisch kaufen und im eigenen Namen von fremden Dritten auf einer sogenannten „Soft-Wallet“ verwahren lassen. Dies bringt jedoch operative Risiken wie Börsenausfälle oder eingeschränkte Verfügbarkeit mit sich.

Wer diese Risiken vermeiden möchte sollte seine Kryptowährungen selbst aufbewahren. Wie das Gold im hauseigenen Tresor, sollte man Bitcoin am besten auf einer USB-Stick-ähnlichen „Hard-Wallet“ buchen. Hier muss man allerdings selbst für Sicherheit und Schlüsselmanagement sorgen. Software-Wallets bieten einfache Bedienbarkeit, sind aber stärker von externen Geräten abhängig und anfälliger für Cyberrisiken. Hardware-Wallets erhöhen die Sicherheit deutlich, erfordern jedoch ein separates Gerät und eine gewisse technische Routine.

Für Anleger, die Bitcoin eher als Beimischung im Portfolio sehen, sind Spot-basierte ETPs eine pragmatische Alternative. Sie bilden den Preis unmittelbarer ab als Futures-ETPs, die durch Rollkosten und Kontraktstrukturen teils deutliche Abweichungen zeigen können. Allerdings sollten auch zertifikatespezifische Faktoren wie Gebühren, Liquidität und regulatorische Rahmenbedingungen berücksichtigt werden. Bei Spot-ETPs sollte man darauf achten, dass die Produkte nach Möglichkeit physisch durch Rücklagen besichert sind.

Vorsichtig sind wir hingegen bei allen Investments, die Krypto-Exposure haben, nicht aber das Asset selbst abbilden. Es gibt beispielsweise Aktienfonds, die in Unternehmen investieren, die Umsätze im Krypto- oder Blockchainbereich erzielen (wollen). In diesen Fällen erhalten Anleger in unseren Augen aber nicht ausreichend Exposure zur Anlageklasse selbst. Vielmehr vereinen diese Produkte in unseren Augen die Nachteile von Aktien (Volatilität, unternehmensspezifisches Risiko etc.) und der Kryptowährungen. Gemäß dem Grundsatz, was wir nicht verstehen, investieren wir auch nicht, lassen wir auch die Finger von sämtlichen Krypto-Trading-Strategien, NFTs, Crowdinvestments, Hedge-Fonds und so weiter.

Fazit

Bitcoin ist zweifellos ein beeindruckendes technologisches Experiment und hat sich mit einer Marktkapitalisierung von rund zwei Billionen US-Dollar zu einer etablierten Anlageklasse entwickelt. Dennoch bleibt es als Währung und Wertaufbewahrungsmittel schwach aufgestellt. Sein Wert gründet vollständig auf dem Vertrauen seiner Nutzer – ein Mechanismus, der eher an ein Glaubenssystem erinnert. Die aktuelle Zuversicht entsteht aus geopolitischen Spannungen, regulatorischer Unsicherheit und dem Wunsch nach Unabhängigkeit. Der Bitcoin wird uns als (Sub-)Anlageklasse erst einmal bleiben.

Für eine Bewertung, wo der faire Wert dieser Währung liegt, fehlt ein belastbares wirtschaftliches Fundament. Vorteile wie Staatenunabhängigkeit oder Zugangsmöglichkeiten für Unbanked-Gruppen werden durch hohe Volatilität, Energieverbrauch und geringe Alltagsakzeptanz relativiert. Da kein innerer Wert existiert, hängt der Kurs maßgeblich vom Kapitalzufluss ab – dreht dieser Trend, zeigt sich die Fragilität schnell. Klassische Bewertungsmethoden greifen nicht, auch wenn wir anerkennen müssen, dass bestimmte Werttreiber noch unentdeckt sein könnten.

Für die Portfolioeinordnung gilt ein nüchterner Blick. Bitcoin ist jung, ungetestet und verhält sich in Stressphasen oft wie ein Risikotreiber mit deutlichen Kursrückgängen. Eine geringe Korrelation im Normalmarkt hilft, doch im Abschwung fällt Bitcoin häufig stärker als Aktien. Entsprechend sollte die Positionsgröße klar begrenzt und unter 3 % eines klassischen Portfolios gehalten werden. Wer investiert, setzt idealerweise auf Direktbesitz oder Spot-ETFs und ist sich bewusst: Bitcoin kann eine kleine Beimischung sein – aber nur im Rahmen der eigenen Risikotragfähigkeit und mit vollständigem Verständnis seiner spekulativen Natur.

Wichtige Hinweise 

Weder vergangene Wertentwicklungen noch Prognosen sind Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Die Inhalte sind nach bestem Wissen und mit großer Sorgfalt erstellt, gleichwohl können wir die Korrektheit der Informationen nicht garantieren. Wir übernehmen keine Haftung für etwaige Schäden, die aus der Verwendung der in dieser Veröffentlichung enthaltenen Informationen resultieren. Die hier enthaltenen Angaben basieren auf sorgfältig ausgewählten Quellen, die als zuverlässig gelten. Wir geben jedoch keine Gewähr für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Angaben. Hierin zum Ausdruck gebrachte Meinungen geben unsere derzeitige Ansicht wieder und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Anlagemöglichkeiten, die hier dargestellt werden, sind je nach Anlageziel und Finanzlage nicht für jeden Anleger geeignet. Die hier bereitgestellten Angaben dienen nur allgemeinen Informationszwecken. Der Zweck dieses Dokuments ist die Unterstützung der Diskussion mit Der Finanz Berater über die Anlagemöglichkeiten, die unseren Kunden zur Verfügung stehen. Sie stellen weder eine Anlageberatung noch ein Angebot, eine Empfehlung oder eine Aufforderung zum Treffen von Anlageentscheidungen nach dem Wertpapierhandelsgesetz dar. Investitionen in Wertpapiere, Investmentfonds, Immobilien und Rohstoffe bergen hohe Verlustrisiken, bis hin zum Totalverlust. Alle Rechte bei Der Finanz Berater – Artur Wunderle Vermögensbetreuungs GmbH, Hauptstraße 8b, 82319 Starnberg. 

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